29. April 2014

Bilderflut bedient sich in seiner 30. Station einer außergewöhnlichen Sprache - der Blumensprache

Das Stadtteilkulturprojekt Bilderflut beschäftigt sich in seinem neuesten Kapitel des begehbaren Lexikons in der Blumenstraße 20/22 im Allgemeinen mit dem Thema Blumen und erinnert im Speziellen an den Begriff Blumensprache.

Anfang des 18. Jahrhunderts berichtete Lady Mary Wortley Montagu in ihren Briefen aus Istanbul von der Kommunikation mit Blumen. Im Orient stieß sie auf ein ausgeklügeltes System von Bedeutungen, die den einzelnen Blüten zukamen. Die Blumensprache ist allerdings noch älter als der von Lady Montagu übermittelte Code: Eine Blumenschrift gab es so bereits in China, auch ägyptische Hieroglyphen nahmen sich die Gestaltung von Pflanzen und Blüten zum Vorbild. In Istanbul allerdings entdeckte Lady Montagu eine feststehende Bedeutung, die jeder Blüte zugesprochen wurde – durch ihre Briefe wurde die so genannte Selamlık, benannt nach dem öffentlich zugänglichen Teil orientalischer Häuser, im viktorianischen Europa schnell zur Mode. Zur damaligen Zeit konnten insbesondere junge Liebende nicht klar aussprechen, was sie dachten, und Zuneigung und Abneigung verbal nicht klar Ausdruck verleihen. Die Blumensprache wurde daher zum wichtigen Mittel der nonverbalen Kommunikation.

Die Text- und Bildelemente

Der Entwurf und besonders die Textelemente basieren auf einem Fragebogen, den die Hausbewohner beantwortet haben:

  • Wo blühen in der Nordstadt die schönsten Blumen?
  • Welche ist Ihre Lieblingsblume?
  • Welche Blumen haben auch eine symbolische Bedeutung oder welche Teekesselchen fallen Ihnen ein?
  • Was kann man mit Blumen machen?
  • Welche Blumennamen finden Sie am lustigsten?


Auf dem Westgiebel sind die lustigsten Blumennamen aufgelistet. Fingerhut und Frauenschuh sind als Teekesselchen bildhaft dargestellt.
Die anderen Antworten und zahlreiche Blumenmotive bilden die Gestaltung der Nordfassade: Flugzeug, Ballon, Libelle, Biene, Vogel und Schmetterling als weitere Bildelemente verbinden die Blumenwelt mit den Begriffen Fliegen (Pollenflug), Kommunikation, Transport, Bewegung, Himmel, Luft und Lebensfreude.

Die Bildelemente sind als Scherenschnitte angelegt und betonen zusammen mit den Textbausteinen den grafischen Charakter dieser Bilderflutfassade.

Das Stadtteilkulturprojekt „Bilderflut“
Im Rahmen des städtebaulich-künstlerischen Fassadengestaltungsprojektes Bilderflut – unter der Leitung von Tülin Kabis-Staubach vom Büro BASTA – Büro für Architektur und Stadtentwicklung/Planerladen e. V.- entsteht seit 2002 ein kultureller Wanderpfad durch den Stadtteil. Das Stadtteilkulturprojekt verfolgt u.a. folgende Ziele: Nutzung der Bilderwelten, Beteiligung von Bewohnern, Wissensvermittlung, Verbesserung des Innen- und Außenimages des Stadtteils, Stärkung von Stadtteilidentität sowie Förderung von Kooperation im Stadtteil. Die Fortführung seit Ende 2011 erfolgte im Rahmen des Programmes „Wir setzen Zeichen!“ des Ministeriums für Bauen und Verkehr NRW.