5. November 2012

Bilderflut zum zweiten Mal an einer Gründerzeitfassade. Ein „Musterbuch“ reiht sich in das begehbare Lexikon der Nordstadt

Bei der Station 27 in der Gronaustr. 62, dem „Musterbuch“, wird eine kleine Auswahl von Begriffen der Baustilkunde des Historismus abgebildet. Dieser Baustil wird umgangssprachlich auch als Gründerzeitarchitektur bezeichnet und steht für einen Stilpluralismus.

Die Dortmunder Nordstadt gilt als das größte zusammenhängende Altbaugebiet des Ruhrgebiets. Der prägende Baustil des Stadtteils kann dem Historismus zugerechnet werden.

Da der Historismus in Mitteleuropa ab den 1860er Jahren größere Verbreitung erfuhr und es eine seiner ursprünglichen Funktionen war, die Repräsentationsbedürfnisse des in der Gründerzeit reich gewordenen Bürgertums zu befriedigen, wird er umgangssprachlich auch als Gründerzeitstil/ Gründerzeitarchitektur bezeichnet.

Im Gegensatz zu vorhergehenden kunsthistorischen Epochen ist für den Historismus ein gleichzeitiger Stilpluralismus charakteristisch. Anders als in Renaissance und Klassizismus wurde nicht nur versucht, die Architektur der klassischen Antike wiederzubeleben/zu kopieren, sondern es wurden Architekturformen auch anderer Epochen imitiert und häufig recht wahllos kombiniert (Eklektizismus).

Die zahlreichen Stuckelemente dieser Zeit (Figuren, Ornamente, Verzierungen...) wurden in Musterbüchern gesammelt und katalogisiert. Musterbücher als Vorläufer des Katalogs dienten zur Abstimmung zwischen Bauherr, Architekt und Stuckateur.

Bilderflut präsentiert auf der Gründerzeitfassade in der Gronaustraße eine kleine Auswahl von Begriffen der Baustilkunde des Historismus. Die rein typografische, dem Schlagwortverzeichnis eines Musterbuchs ähnelnde Gestaltung der Fassade wird mit Namen historistischer Architekten abgerundet.

Das Stadtteilkulturprojekt „Bilderflut“
Im Rahmen des städtebaulich-künstlerischen Fassadengestaltungsprojektes Bilderflut – unter der Leitung von Tülin Kabis-Staubach vom Büro BASTA – Büro für Architektur und Stadtentwicklung/Planerladen e. V.- entsteht seit 2002 ein kultureller Wanderpfad durch den Stadtteil. Das Stadtteilkulturprojekt verfolgt u.a. folgende Ziele: Nutzung der Bilderwelten, Beteiligung von Bewohnern, Wissensvermittlung, Verbesserung des Innen- und Außenimages des Stadtteils, Stärkung von Stadtteilidentität sowie Förderung von Kooperation im Stadtteil. Die Fortführung seit Ende 2011 erfolgt im Rahmen des Programmes „Wir setzen Zeichen!“ des Ministeriums für Bauen und Verkehr NRW.