26. Juli 2012

Nordstadt-Fassaden erstrahlen in neuem Glanz … das begehbare Lexikon des Stadtteilkulturprojektes „Bilderflut“ hat eine neue Station

Vielfalt – (K)eine wie alle (Unnaer Straße 44) In der Nordstadt leben Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Kulturen Tür an Tür zusammen und ergeben gemeinsam ein buntes lebhaftes Wohnquartier. „Die Belegschaft von GrünBau spiegelt diese Vielfalt des Stadtteils wie ein Mikrokosmos“, sagt Andreas Koch, Geschäftsführer des Beschäftigungs- und Qualifizierungsträgers GrünBau, der seinen Sitz dort hat. „Manch einem mögen einige der Bewohner in diesem Stadtteil und manchem Mitarbeiter die Kollegen schräg und seltsam vorkommen: Sie sehen anders aus, haben andere Verhaltensweisen und pflegen andere Sitten und Gebräuche. Andere Menschen wiederum finden diese Vielfalt interessant, sie werden neugierig.“

So verhält es sich auch mit den „bunten, schrägen Vögeln“ auf der Fassade. Vieles ist da der Fantasie des Betrachters überlassen. Das Wandbild steht dafür, dass alle Menschen des Stadtteils sowie bei GrünBau gemeinsam haben, dass sie alle einzigartige Individuen sind, aber dennoch alle gleich in ihren Rechten, ihren Chancen etc. sein sollten. „(K)eine wie alle ist daher ein Plädoyer für Respekt und Chancengleichheit in der Vielfalt!“, so Andreas Koch über die Aussage der Wandgestaltung.
Dahinter steckt eine Hommage an Otto Neuraths revolutionäre Methode der Bildpädagogik (Wiener Methode) und an seinen Weggefährten Gerd Arntz, den möglichen Erfinder und Wegbereiter des modernen Piktogramms. Ein Bild, das nach den Regeln der Wiener Methode hergestellt ist, zeigt auf den ersten Blick das Wichtigste am Gegenstand; offensichtliche Unterschiede müssen sofort ins Auge fallen. Auf den zweiten Blick sollte es möglich sein, die wichtigeren Einzelheiten zu sehen und auf den dritten Blick, was es an Einzelheiten sonst noch geben mag.
Außerdem würdigt das Bild die Geschichte und Entwicklung der Dingbats: Früher bezeichnete man im Druckwesen alle beweglichen Lettern, die keine Schriftzeichen, sondern Ornamente tragen, als Zierrate wie man sie in Zierschriften (wie z.B. Wingdings) findet. Für das Bild an der Unnaer Straße wurde die Schriftart creatures verwendet. Die Buchstaben Z, n, q und k sind dabei in einem fiktiven Zusammenhang und einer eher virtuellen Szene dargestellt. Eine grafische Spielerei mit den Begriffen Wort, Zeichen und Bild.

Das Stadtteilkulturprojekt „Bilderflut“
Im Rahmen des städtebaulich-künstlerischen Fassadengestaltungsprojektes Bilderflut – unter Leitung von Tülin Kabis-Staubach vom Büro BASTA – Büro für Architektur und Stadtentwicklung/Planerladen e.V. – entsteht seit 2002 ein kultureller Wanderpfad durch den Stadtteil. Das Stadtteilkulturprojekt verfolgt u.a. folgende Ziele: Nutzung der Bilderwelten, Beteiligung von Bewohnern, Wissensvermittlung, Verbesserung des Innen- und Außenimages des Stadtteils, Stärkung von Stadtteilidentität sowie Förderung von Kooperation im Stadtteil. Die Fortführung seit Ende 2011 erfolgt im Rahmen des Programms "Wir setzen Zeichen!" des Ministeriums für Bauen und Verkehr NRW.